10 typische Defektarten

Häufige Defekte an
PV-Anlagen

Diese typischen Probleme finden wir regelmäßig bei Inspektionen im Raum Regensburg – von brandgefährlichen Hotspots bis zu schleichenden Ertragsverlusten durch defekte Zellen.

✓ Klassifizierung nach Schweregrad✓ Regionale Besonderheiten

Nicht jeder Defekt ist von außen sichtbar. Viele Probleme entwickeln sich schleichend über Jahre – und werden erst durch signifikante Ertragsverluste oder im schlimmsten Fall durch einen Brand erkennbar.

Thermografie kann diese versteckten PV-Defekte sichtbar machen, bevor sie zu kostspieligen Schäden führen. Im Folgenden finden Sie die zehn häufigsten Defektarten, sortiert nach Schweregrad.

Die angegebenen Häufigkeiten und Verluste basieren auf branchenüblichen Erfahrungswerten aus zahlreichen Inspektionen von PV-Anlagen im deutschsprachigen Raum. Die tatsächlichen Werte können je nach Anlagentyp, Standort, Alter und Wartungszustand variieren.

Hinweis zur Einheit: Obwohl Temperaturdifferenzen wissenschaftlich in Kelvin (K) angegeben werden, nutzen wir aus Gründen der besseren Verständlichkeit die in Thermografieberichten übliche Einheit °C.

Klassifizierung nach Schweregrad

Wir unterscheiden zwischen drei Kategorien – abhängig davon, wie schnell Handlungsbedarf besteht:

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Kritisch

Sofortiger Handlungsbedarf – Brandgefahr oder massive Ertragsausfälle (>30%)
1

Hotspots (lokale Überhitzung)

Kritisch Verluste: 10–100% des Moduls Häufigkeit: 15–25% der Anlagen über 5 Jahre

Was ist das?

Ein oder mehrere Bereiche im Modul werden deutlich heißer als die Umgebung – oft 15–30 °C höher. Im Wärmebild als helle Flecken sichtbar.

Ursachen:

  • Defekte Bypassdiode (häufigste Ursache)
  • Zellrisse
  • Teilverschattung bei defekter Bypassdiode
  • Lötstellenfehler (sog. "kalte Lötstellen")
2

String-Fehler (gesamter Strang betroffen)

Kritisch Verluste: bis zu 100% des Strings Häufigkeit: 5–10% der Anlagen

Was ist das?

Ein kompletter String (Reihe in Serie geschalteter Module) zeigt abweichende Temperatur – meist deutlich kälter als benachbarte Strings.

Ursachen:

  • String-Sicherung defekt (häufigste Ursache)
  • Anschlussfehler im String-Verteiler
  • Defekter String-Wechselrichter
  • Kabelbruch oder Steckerfehler
3

Defekte Bypassdioden

Kritisch Verluste: 30–100% des Moduls Häufigkeit: 10–15% der Anlagen über 8 Jahre

Was ist das?

Bypassdioden leiten Strom um verschattete oder defekte Zellen herum. Fallen sie aus, entstehen Hotspots bei Teilverschattung. Im Wärmebild als rechteckige heiße Bereiche sichtbar.

Ursachen:

  • Überlastung durch häufige Teilverschattung
  • Fertigungsfehler (minderwertige Dioden)
  • Blitzschlag oder Überspannung
  • Alterung (typisch nach 10–15 Jahren)
4

Nicht oder fehlerhaft angeschlossene Module

Kritisch Verluste: 100% der betroffenen Module Häufigkeit: 2–5% der Neuinstallationen

Was ist das?

Module sind installiert, aber nicht oder falsch angeschlossen. Im Wärmebild deutlich als inaktive Module erkennbar – sie produzieren keine Leistung.

Ursachen:

  • Installationsfehler (ausgelassenes Modul)
  • Defekte Steckverbindungen (MC4)
  • Vertauschte Plus/Minus-Pole
  • Beschädigte Kabel (Marderbiss, UV-Schädigung)

Beobachten

Mittelfristig beheben – Messbare Verluste (10–30%), aber keine unmittelbare Gefahr
5

Zellrisse und Mikrorisse

Beobachten Verluste: 5–20% pro Modul, fortschreitend Häufigkeit: 30–40% der Anlagen über 8 Jahre

Was ist das?

Feine Risse in den Solarzellen, oft nicht mit bloßem Auge erkennbar. Im Wärmebild zeigen sich linienförmige Temperaturmuster oder kältere Bereiche.

Ursachen:

  • Mechanische Belastung (Schneedruck, Hagel, Sturm)
  • Temperaturschwankungen (Ausdehnung/Kontraktion)
  • Transport- oder Installationsschäden
Schleichender Prozess: Zellrisse verschlimmern sich über Jahre. Was heute 5% Verlust bedeutet, kann in 3–5 Jahren zu kompletten Modulausfall führen.
6

PID – Potentialinduzierte Degradation

Beobachten Verluste: 10–40% über mehrere Jahre Häufigkeit: 5–10% der Anlagen vor 2015

Was ist das?

Elektrochemischer Degradationsprozess durch Spannungsdifferenz zwischen Rahmen und Zellen. Im Wärmebild als flächige Abkühlung ganzer Module sichtbar.

Ursachen:

  • Feuchte Umgebung (beschleunigt PID)
  • Fehlende Erdung des Rahmens
  • Module ohne PID-Resistenz (ältere Generation)
7

Delaminierung

Beobachten Verluste: 5–25%, fortschreitend Häufigkeit: 3–8% der Anlagen

Was ist das?

Ablösung der EVA-Verkapselungsfolie von Glas oder Zellen. Sichtbar als milchige Trübung oder Blasenbildung. Im Wärmebild als unregelmäßige Temperaturverteilung erkennbar.

Ursachen:

  • Eindringen von Feuchtigkeit (defekte Rahmendichtung)
  • UV-Schädigung der EVA-Folie
  • Fertigungsfehler (unzureichende Verklebung)
  • Extreme Temperaturwechsel
Sicherheitsrisiko: Fortgeschrittene Delaminierung kann zu Isolationsfehlern und Lichtbögen führen.
8

Hagelschaden und Glasbruch

Beobachten Verluste: 0–100% pro Modul Häufigkeit: 2–5% der Anlagen nach Unwettern

Was ist das?

Mechanische Beschädigung durch Hagel, Steinschlag oder herabfallende Äste. Sichtbar als Risse oder Einschläge im Glas. Im Wärmebild oft als Hotspots erkennbar, wenn Zellen beschädigt sind.

Ursachen:

  • Hagel ab 3 cm Durchmesser (abhängig von Modulqualität)
  • Herabfallende Äste oder Dachziegel
  • Unsachgemäße Wartung (Betreten der Module)
  • Steinschlag bei Anlagen nahe Straßen

Wartung

Bei Gelegenheit beheben – Geringer Einfluss (unter 10%), Optimierungspotenzial
9

Verschattung durch Verschmutzung

Wartung Verluste: 2–15% Häufigkeit: 60–70% der Anlagen im Regensburger Land

Was ist das?

Staub, Vogelkot, Moos, Flechten oder Laub führen zu lokaler Verschattung. Im Wärmebild als unregelmäßige Temperaturmuster erkennbar – die verschmutzten Bereiche sind wärmer.

Ursachen:

  • Landwirtschaftliche Umgebung (Staub, Erntereste)
  • Nähe zu Bäumen (Blätter, Harz, Vogelkot)
  • Geringe Dachneigung (unter 15°, Selbstreinigung funktioniert nicht)
  • Industriestandorte (Ruß, Feinstaub)
10

Schneckenspuren (Snail Trails)

Wartung Verluste: 0–5% (optisch), 10–30% bei fortgeschrittenem Stadium Häufigkeit: 20–30% der Anlagen vor 2012

Was ist das?

Braune, schleierartige Verfärbungen entlang der Zell-Kontakte. Optisch sichtbar, aber im Wärmebild nur bei fortgeschrittenem Stadium als Hotspot erkennbar.

Ursachen:

  • Silberpartikel aus Leiterbahnen reagieren mit EVA-Folie
  • Mikrorisse in Zellen (Feuchtigkeit dringt ein)
  • Fertigungsfehler (mangelhafte Verkapselung)
  • Häufig bei Modulen vor 2012

Regionale Besonderheiten

Im Regensburger Land und Bayerischen Jura beobachten wir einige Defektarten häufiger als anderswo

Landwirtschaftliche Standorte

  • Verschmutzung: Staub durch Erntearbeiten, Gülle-Emissionen
  • Vogelkot: Schwalben- und Taubenkot auf Dach-Anlagen
  • Moos/Flechten: Besonders bei Anlagen unter 20° Neigung

Hochexponierte Lagen (Bayerischer Jura)

  • Hagelschäden: Häufiger durch Gewitterzellen über dem Jura
  • Schneelast: Mikrorisse durch mechanische Belastung
  • Windschäden: Lockere Kabel, verschobene Module

Wann ist Thermografie sinnvoll?

Empfohlene Anlässe für eine Inspektion

Routinemäßig

  • Nach Installation (Abnahme-Thermografie)
  • Alle 3–5 Jahre (vorsorglich)
  • Vor Ablauf der Garantie (5./10. Jahr)
  • Vor Verkauf/Kauf einer Immobilie

Bei Auffälligkeiten

  • Ertragsverlust >10% im Vergleich zu Vorjahr
  • Nach Hagel, Sturm oder Schneefall
  • Sichtbare Verfärbungen oder Beschädigungen
  • Verdacht auf String-Fehler (Monitoring-Daten)
Tipp: Viele PV-Defekte entwickeln sich schleichend. Regelmäßige Inspektionen helfen, Ertragsverluste frühzeitig zu erkennen und langfristig Kosten zu sparen.